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Kategorie: Spitzensport

Erfolg als Motor

Zum Start der Saison 2017/2018 gab der Schispringer Stefan Kraft dem Kurier ein Interview. Neben Fragen zu seiner Vorbereitung waren vor allem seine Aussagen auf die Frage zu seiner Motivation bemerkenswert. Immerhin war Stefan Kraft der Dominator des letzten Jahres mit dem Gewinn des Gesamtweltcup, Gewinn der Vierschanzentournee und seinem Weltrekordflug auf 253,5 m. Das zu Wiederholen, oder gar im Jahr der Winterolympiade in Südkorea mit Edelmetall zu toppen ist schon eine gewaltige Herausforderung. Außerdem war er im Sommer mit den Begehrlichkeiten der Öffentlichkeit sehr stark gefordert.

Aber Stefan Kraft ist sehr professionell und weiß, dass zu viel Ablenkung Leichtigkeit und Souveränität kostet. Das hat man am Absturz von Peter Prevc letztes Jahr gesehen. Stefan Kraft hat sich nicht „verführen“ lassen und sich auf Training und Vorbereitung konzentriert im O-Ton:“Ich hätte im Sommer viele Einladungen wahrnehmen können, ich wollte aber nicht, dass das auf Kosten des Trainings geht. Ich bin besser drauf, als vor einem Jahr. Zum zweiten Mal so eine Serie hinzulegen ist das große Ziel“.

Nun versucht er sein Glück als erster Springer nach Ahonen (2004/2005) die große Kristallkugel zweimal in Folge zu gewinnen. Mit dieser Einstellung, dem Erfolg alles unter zu ordnen wird ihm das von vielen Seiten auch zugetraut. Ich denke, auch er selbst glaubt daran, schließlich ist das sein erklärtes Ziel. Klare Ziele führen auch auf einen klaren Weg.

Nach dem ersten Weltcupwochenende in Wisla ist er bereits am richtigen Weg. Der Doppelweltmeister belegte in einem schwierigen, wind= beeinflussten Springen den 3. Platz, nur 2,8 Punkte hinter dem Sieger!

Zuerst zum Training, dann zum Sieg

Es gibt Spitzensportler im Schirennsport, die sind wahre Trainingsweltmeister und versagen dann im Rennen, andere wieder, die schlagen unerwartet bei einzelnen Rennen zu, obwohl sie im Training nichts  weiter gebracht haben. Das sind aber Ausnahmen.

In Wahrheit funktioniert nur der systematische Aufbau in einem extensiven Training für den Erfolg im Wettkampf. Erst wenn der Sportler im Training die Sicherheit auf höchsten Niveau gefunden hat, wird er mit Selbstbewusstsein in den Wettkampf gehen. Am Start kann er den entscheidenden Fokus auf die Linie und Schlüsselstellen  legen und im Vertrauen in seine Fähigkeiten loslegen. Wer so starten kann, der ist auch bereit ans Limit zu gehen und wird Erfolg haben.

Mikaela Shiffrin, mehrfache Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Weltcupgesamtgewinnerin ist sich kurz vor Beginn der Wintersaison 2017/2018 bewusst, dass es an der Spitze wieder starke Konkurrenz geben wird. Aber genau diese Herausforderung liebt sie und spornt sie an.

Vor dem Start in Sölden sagte sie Folgendes: „Am liebsten möchte ich im kommenden Winter alle Saisonrennen gewinnen. Ich will ja die beste Skifahhrerin der Welt sein und bin deshalb prinzipiell für die Trainings motivierter als für die Rennen“.

Das ist eine starke, erfolgsversprechende Aussage.

Zitat:

Der Preis des Erfolges ist Hingabe, harte Arbeit und unablässiger Einsatz für das, was man erreichen will   (F.Lloyd Wright)

Freude an der Herausforderung

Was haben Marcel Hirscher, Manuel Feller und Roger Federer gemeinsam? „Die Herausforderung im Spitzensport; allerdings geht jeder auf seine Art und Weise damit um!“

Marcel Hirscher nach seinem Sie im Slalom in Ktzbühel am 18.1.2016

Der Kurier zitierte M.Hirscher in seinem Interview: „Heute bin ich selbst sprachlos“. Was meinte er damit? Nach dem ersten Durchgang hatte er den Sieg bereits abgeschrieben. Zu schlecht sein  Gefühl und sein Erlebnis und zu groß der Zeitrückstand. Aber Hirscher nahm die Herausforderung an und setzte im Bewusstsein seines Könnens auf volles Risiko. Er legte einen Lauf hin, der allgemein als der spektakulärste bezeichnet wurde, der jemals auf dem Ganserlhang zu bestaunen war. Aber was sagte der Bestaunte selbst zu seiner Leistung? Er war baff erstaunt und meinte: „Das habe ich mir nicht gedacht, ich bin gerade selbst ein bisschen sprachlos“.

Wenn sie meinen Blog Das innere Spiel im Sport“ vom 18.12.2016 gelesen haben, dann wissen Sie, was Hirscher damit (vielleicht unbewusst) zum Ausdruck gebracht hat.

Der Sportpädagoge Thimothy Gallway- Entwickler von „Das Innere Spiel„(Innergame) – stellt nämlich klar, dass vermeidbare Selbstbeschränkungen wie Anspannung, Selbstzweifel, Selbstkritik und Versagensängste erfolgreiches Agieren verhindern können, die Handlungen werden verkrampft, mistimed und ineffektiv.

Wenn der Sportler jedoch keine Zweifel hat, fließen seine Handlungen in einer Art mühelosem Excellence,  „Athletes have called this state, “playing in the zone.” Generally at these times our mind is quiet anals) was als Flow bezeichnet werden kann. But whatever it’s called, when we’re there, we excel, we learn, and we enjoy ourselves“. In diesen Momenten ist der Geist ruhig und konzentriert, man kann auch experimentieren. Alles läuft mühelos.

Manuel Feller nach seinem Einfädler bereits beim zweiten Tor im selbigen Slalom in Kitzbühel:

Der Mann mit dem leuchtend grünen Schnauzer stand kopfschüttelnd im Ziel. „Es ist fast schon zum Weinen. Ich bin ziemlich ratlos. Woran es liegt weiß ich auch nicht. Der Schnauzer stand für die Farbe, die ich im Ziel sehen wollte. Das war wohl nicht so gut“.[…] „Jetzt habe ich vier Einfädler in dieser Saison, das verstehe ich nicht“. Erklärungsversuche hatte Feller bereits in Wengen und in Zagreb gestartet. Der hochbegabte Draufgänger, der immer Top oder Flop fährt, möchte unbedingt das Ticket für die WM in St. Moritz lösen und will nun den Erfolg erzwingen.

Seine Erwartungshaltung, sein Wunsch sich zu platzieren lässt es offensichtlich nicht zu, sich auf das Wesentliche – seine Fahrt und Linie – voll zu konzentrieren. Seine Gedanken sind zu sehr schon beim Ergebnis, er hat Stress, vielleicht auch Versagensangst es nicht zu schaffen. So scheitert man leicht im Moment des Tuns, wenn die Gedanken vorauseilen(siehe auch Blog vom 2.01.2017 „Im Augenblick sein“)

Roger Federer beim aktuellen Grandslam 2017 in Melbourne

In einem Interview in der TT vom 25.01.2017 sagte er folgendes: „Ich hätte mir nie gedacht, dass ich bei diesem Turnier so gut spiele. und bis ins Halbfinale komme“. Das sagt ein Roger Federer, 17-facher Grandslam Gewinner und 36 Jahre alt.

Es ist die wieder entdeckte Leichtigkeit nach seiner sechsmonatigen Auszeit wegen einer Knieverletzung. Er kam, erwartete wenig und nun eilt er von Sieg zu Sieg: „Es ist schon ein wenig verrückt, das muss ich zugeben“

Aber so verrückt ist das nicht. Er denkt nicht an den Erfolg, er will einfach Spaß und tolle Wettkämpfe mit seinen Konkurrenten haben. Er spielt sein bestes Spiel aus voller Überzeugung. Keine Zweifel, kein Ergebnisdruck und keine fixen Zielsetzungen stressen ihn. Thymothy Gallway hatte seine wahre Freude mit Ihm.

27.01.2017
Roger Federer hat sein Endspiel gegen Rafael Nadal gewonnen und damit Tennisgeschichte geschrieben.

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Handlungsorientiert im Jetzt

Am 8.10. und 6.12.2016 habe ich zu Österreichs Slalomspezialisten Manuel Feller die Artikel „Selbstbestimmtheit versus Zielorientiertheit“ und „Bewältigungsglaube“ geschrieben. Anlässlich des Slaloms in Zagreb am 5.01.2017 möchte ich noch eine weitere Begebenheit hinzufügen.

Manuel Feller hat es geschafft. Er hat im ersten Durchgang Bestzeit gefahren, er war zum ersten Mal schneller als alle anderen Konkurrenten, die sonst vor ihm liegen. Bei seinem Kampfgeist, seiner Technik und fantastischem Grundspeed war das nur eine Frage der Zeit. Jetzt steht er als Letzter oben, alles schaut auf ihn und er will gewinnen. Er stößt sich ab und fädelt schon beim zweiten Tor ohne Not ein. Es war eine normale leichte Torkombination im durchschnittlich steilen Gelände auf guter Piste.

Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß für Ihn. Wie ist so etwas nur möglich?

Beim anschließenden TV-Interview versucht er das Geschehene zu erklären, aber man merkt ihm an, dass er es nicht wirklich begründen kann und wirkt ziemlich verunsichert.

Als Zuseher weiß man natürlich nicht, was ihm beim Start durch den Kopf gegangen ist. In solchen Augenblicken ist der Druck sehr groß. Da gibt es  ganz bewusste Gedanken wie die Linie, Schlüsselstellen, eine bestimmte Willensbildung. Aber es laufen auch ganz unbewusste Denkvorgänge ab, intensive Gefühle, Bilder und Ergebniswünsche. Wünsche sind Zukunft und Gefühle sind mächtig und steuern unser Verhalten, bzw. haben im Sport Einfluss auf die Bewegungsablaufqualität.

Ich denke, er war nicht im Augenblick des Tuns. Seine Gedanken waren vielleicht zu weit vorausgeeilt, er will schnell sein, schon einige Tore weiter, bei den Schlüsselstellen und vor allem beim gewünschten Ergebnis und dem Jubel im Ziel. So was geht ganz leicht, welcher Spitzensportler will nicht gewinnen. Aber kann ein Ergebnis gefahren werden?

Nein, das Ergebnis ergibt sich dadurch, dass der Sportler sich zuerst der Herausforderung stellt, immer im Augenblick des Tuns ist, den Fokus auf jeden Moment der Aufgabe gerichtet hat, und dadurch imstande ist, auf seinem höchstem Niveau und am Limit zu fahren, idealerweise im Flow.

Das Ergebnis ist Zukunft, die Fahrt durch den Parcours erfolgt aber in der Gegenwart. Nur in der Gegenwart kann ich die Zukunft beeinflussen. Diese wichtige Positionierung kann mit mentaler Konditionierung kontrolliert werden.

Kopfsache – alles ist möglich

Heute möchte ich von einer Sportart berichten, die man als solche nicht unbedingt mit Leistungssport in Zusammenhang bringt. Es betrifft professionelles Bodybilding. Vermutlich wird Bodybuilding in der breiten Öffentlichkeit der Alpenländer deshalb nicht zum Leistungssport gezählt, weil es nicht die mediale Aufmerksamkeit hat. In unseren Breitengraden ist der Schirennsport, Schispringen und Langlauf wesentlich populärer, Teil unseres Selbstverständnisses eben.

Aber das wird zu Unrecht so gesehen. Auch beim Bodybuilding gibt es ein tägliches, immenses Trainingspensum, die Leute gehen immer ans Limit, sie arbeiten auf klare Ziele hin und messen sich in harten Wettkämpfen. Die Topleute sind richtige Schwerarbeiter mit strikten Ernährungs- und Trainingsplänen und haben einen eisernen Willen.

Aber warum erzähle ich das alles?

Weil auch hier die Trainings- und Wettkampfeinstellung, sowie mentale Konditionierung unverzichtbar ist auf dem Weg zum Erfolg.

Kürzlich wurde Jaqueline Maric aus Reutte in Tirol auf Anhieb Deutsche Bodybuilding Meisterin. Ihr Weg vom Couchpotato zur Topathletin ist bemerkenswert. Im Interview für die Tiroler Tageszeitung fasste sie zusammen:

„Das war reine Kopfsache. Nichts ist unmöglich, man kann alles erreichen, wenn man will. Der Körper kann alles schaffen. Es ist Dein Geist, den Du überzeugen musst.“

Inzwischen arbeitet die frisch gebackene Deutsche Meisterin bereits auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Bochum hin.

Diese klare Positionierung und Zielsetzung ist der Punkt für den Erfolg im Sport. Wer klare Ziele visualisieren kann, systematisch und fokussiert trainiert und seine Pläne diszipliniert umsetzen kann, der wird Erfolg haben.

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Das innere Spiel im Spitzensport – Innergame

Durch entspannte Konzentration zur Bestleistung

Thimothy Gallway ist ein US-amerikanischer Sportpädagoge der erkannt hat, dass den Herausforderungen im Äußeren(äußeres Spiel) das kritische Selbst(inneres Spiel) gegenübersteht. Seine ersten Publikationen waren zuerst dem Tennissport gewidmet, später kamen andere Sportarten – auch „Innergame of Skiing“ – hinzu. In der Folge transferierte er seine Techniken auch auf den Businessbereich. Der Grundgedanke ist dabei immer derselbe.

Im Schirennsport zum Beispiel muss der Sportler jene Techniken beherrschen und körperliche Fitness haben, um der Schneebeschaffenheit, Steilheit und Länge der Piste, der Geschwindigkeit bei Speedbewerben und der Linienführung bei Technikdisziplinen gewachsen zu sein. Das ist das „äußere Spiel“.

Das „innere Spiel“, das diesen Anforderungen gegenübersteht, stammt vom kritischen, emotionalen Selbst des Sportlers. Es sind Ängste, Selbstzweifel, Erwartungshaltung(Blog vom 10.08.2016 „Angst vor dem Versagen“), Ergebnisvorgaben des Umfelds und Nervosität. Diese Störfaktoren beeinträchtigen das Leistungsvermögen. Überwiegt dieser Stress, kann er  seine Fähigkeiten nicht abrufen und wird unter seinem Wert geschlagen.

Es ist für einen Menschen unmöglich sich einer Herausforderung zu stellen, ohne dass beide „Spiele“ zum Tragen kommen.

Gallway legte daher den Schwerpunkt der mentalen Intervention darauf, dass vermeidbare Selbstbeschränkungen(Störfaktoren) wie Anspannung, Selbstzweifel, Selbstkritik, Versagensängste durch Fokussierung auf Technik, Bewegung, Körpergefühl und psychologische Maßnahmen überwunden werden können.

Wenn der Sportler keine Zweifel hat, fließen seine Handlungen in einer Art mühelosen excellence, was als Flow bezeichnet werden kann. In solchen Momenten ist der Geist ruhig und konzentriert, alles läuft mühelos. Wenn er jedoch von Selbstkritik erfüllt ist,  Zweifel hat und sich seine Gedanken mit der Vermeidung von Fehlern beschäftigen, werden seine Handlungen verkrampft, mistimed und ineffektiv.

Die meisten Sportler versuchen, ihre Leistungsfähigkeit durch verstärktes Training zu steigern. Sie sollten sich aber zum Ziel setzen, gleichzeitig mit dem Aufbau der körperlichen und technischen Leistungsfähigkeit die mentale Stärke zu konditionieren. Das bedeutet die Aufmerksamkeit vom Fehlervermeiden wegzunehmen und sich auf das Wahrnehmen und Beobachten der eigenen Handlungen hinzulenken.

Die Erfolgsformel lautet:   Leistung = Potential – Störfaktoren

 

 

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Erfolgschance Niederlage

Als Nikki Lauda bei den diesjährigen „Laureus World Sport Awards“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde hat er folgenden Satz gesagt:  „Ich widme diesen Preis den Verlierern, denn ich habe aus Niederlagen immer am meisten gelernt“.

Das ist eine interessante Feststellung von einer Person, die wir ein Leben lang als Erfolgsmenschen im Sport und Business wahrgenommen haben. Aber er hat auch einige Misserfolge hinnehmen müssen, die hinlänglich bekannt sind.

Schon in unserer Kindheit werden wir auf Erfolg programmiert und getrimmt. Fehler müssen vermieden werden und wenn es doch passiert, dann sollte es möglichst verschwiegen oder anderen die Schuld zugewiesen werden. Wir lernen auch von Klein auf, möglichst keine Verantwortung zu übernehmen.

Der Weg zum Ziel beginnt in dem Augenblick, wo Du die volle Verantwortung übernimmst“-Dante

„Wir haben in unserer Gesellschaft keine Kultur des Scheiterns. Dabei ist es so wichtig, es als etwas Positives zu sehen, wenn man Fehler macht“, sagt die Psychologin Mag. Pamela Obermaier.

Warum wohl? Wir können nicht aus Erfolgen lernen , sondern nur aus Fehlern und Misserfolgen. In der Niederlage steckt das Wachstumspotential! Nicht umsonst heißt es in dem Spruch: Aus Schaden wird man klug.

“Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden” – Sokrates

Dominic Thiem, 22 Jahre alt, hat sich sehr früh in den Top 10 der Welt etabliert(das Durchnittsalter ist dort bei knapp 30 Jahren). Thiem hat Ende März in Miami ein Spiel gegen die Nummer 1 der Welt, Novak Djokovic, verloren. Und trotzdem hat er gewonnen. Erstens weil es ganz knapp war, zweitens weil internationale Experten sein Spiel gelobt haben und drittens weil er seine Niederlage in eine Kampfansage umgewandelt hat: “Ich kenne jetzt die Sachen, an denen ich noch arbeiten muss“ .

 

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Selbstbestimmtheit versus Zielorientiertheit

 

Manuel Feller(24) ist eine der großen Hoffnungen des ÖSV in den technischen Bewerben. Das ist verständlich, wenn man die Erfolge auf seinem Karriereweg bis in den Weltcup betrachtet. Er wäre bereit für die Spitze, aber jetzt werfen ihn entzündliche Folgen des Bandscheibenvorfalls zurück und sein Saisonstart 2016 ist gefährdet. Aber er ist Optimist und glaubt daran, dass alles passen wird.

Das ist gut so. Nicht gut so ist aber, dass er sich zu seiner technischen und körperlichen Aufbauarbeit jeglicher mentalen Konditionierung verschließen will. In einem Interview in der TT vom 8.10.2016 hat er gemeint, dass er sich keinen Mentalcoach nehmen wird: (…)„ Ich lasse mir nicht gerne von jemandem sagen, was ich zu denken habe“.

Das ist eine berechtigte Aussage für eine gesunde Selbstbestimmtheit, aber manchmal nicht dafür geeignet, den gesetzten Zielen näher zu kommen.

Warum das?

Der Sportpsychologe/Mentalcoach schreibt nicht vor, was der Wettkämpfer zu denken hat, er setzt vielmehr Impulse für alternative Denk- und Verhaltensweisen und freien Zugang zu seinen Ressourcen. Bewegungstalent für den gewählten Sport, sowie Ehrgeiz und Trainingsfleiß zu haben ist das eine, diese Eigenschaften und Fähigkeiten aber zu 100% im Wettkampf umsetzen zu können, ist das andere.

Viel zu leicht passiert es, dass der ehrgeizige Sportler auf dem Weg zur Spitze so viel Ergebnisdruck aufbaut, dass er „gegen sich selbst“ agiert. „Das gegen sich selbst“ agieren ist dann akut, wenn er zu sehr an

  • das Ergebnis
  • die eigenen Erwartungen
  • die Trainererwartungen
  • das Umfeld

denkt, anstatt sich auf das zu fokussieren, auf was es im Rennen ankommt:

  • Regulierung der Gefühle am Wettkampftag durch ein positives Selbstbild
  • Stabiles Visualisieren der Linie und Schlüsselstellen
  • Im Augenblick des Start bei sich sein, nicht an vorher und nicht an nachher denken
  • Mit Lust und Freude die Herausforderung annehmen

Der Mentalcoach erarbeitet mit dem Sportler jene individuellen „Werkzeuge“, mit denen er seine optimale Selbstregulierung als wichtige Voraussetzung für den Erfolg  selbst in der Hand hat. So konditioniert ist er dann imstande, seine Fähigkeiten im Rennen voll abrufen zu können und störende Gedanken zu unterdrücken. Er ist dann selbstbestimmt, aber im Wortsinn zielorientiert und erfolgreich unterwegs. Seine Leistungen entsprechen seinem Potential.

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Bewältigungsglaube nach Verletzung

Am 8.10.2016 habe ich im Blog „Selbstbestimmtheit versus Zielorientiertheit“ über Manuel Feller geschrieben. Es war damals am 23.10. beim Eröffnungsrennen in Sölden keine leichte Situation für ihn. Er hatte schon vorher mit massiven Rückenproblemen zu kämpfen gehabt, konnte nur wenig trainieren und das anspruchsvolle Rennen über den Gletschersteilhang am Rettenbachferner kam eindeutig zu früh. Er hat es trotzdem mutig versucht, musste aber seiner schlechten Vorbereitung Tribut zollen und konnte sich nicht für den zweiten Lauf qualifizieren.

Drei Wochen später stand er beim Slalom in Levi wieder am Start und belegte den 5. Platz als Drittbester Österreicher und meldete sich mit dieser starken Leistung mitten in der Weltspitze wieder zurück. Besonders der zweiten Lauf  war optimal.

Warum ist dieses Ergebnis besonders erwähnenswert?

Manuel Feller hat trotz seines noch nicht ausgeheiltem Rückens und schlechtem Saisonstart nicht nur der „Welt“ gezeigt, dass er es noch kann, sondern er hat vor allem den Glauben an sich selbst und an seine Fähigkeiten vertieft. Dieser Bewältigungsglaube und das damit einhergehende Selbstvertrauen sind der Stoff, aus dem Sieger gebaut sind.

Bewältigungsglaube kann „angeboren“ sein, durch technisches Training erarbeitet werden, oder wird durch mentale Konditionierung entwickelt.

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Der Weg zum Erfolg

Herausforderung Neustart

Christoph Nösig(31), Riesentorlaufspezialist, war nie so richtig der Durchbruch an die Spitze gelungen, aber er war Österr. Staatsmeister, Siege und Top 10 Plätze im Europacup, sowie Top 10 Plätze im Weltcup und Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften 2015 in Vail im Mannschaftsbewerb.

Die letzten Jahre hat er mit Abstimmungsproblemen gekämpft. Heuer, mit neuem Material, will noch einmal voll durchstarten.

Er ist einer, der bei Trainingsläufen „bei der Musi“ ist, im Rennen aber sein Potential nicht auf die Piste bringt. Heute sagt er: „Wenn ich etwas aus der Vergangenheit weiß, dann das, dass man sich von guten Trainingsleistungen nichts kaufen kann. Es zählt einzig und alleine das Rennen“(Interview TT 14.10.2016).

Da hat er recht, aber auch nicht! Natürlich zählt am Ende des Tages nur der Erfolg, aber grundsätzlich kann man sagen, dass im Rennen nur das möglich ist, was man vorher im Training gebracht hat.

Es gibt viele Möglichkeiten, das Training so zu gestalten, dass der Sportler zum Siegläufer werden kann:

  • die individuellen Fähigkeiten des Sportlers werden gezielt gefördert
  • das Trainingspensum ist gegenüber der Konkurrenz erhöht
  • durch individuelle, extensive Wettkampftrainings bekommt der Sportler die „Rennhärte“
  • die körperliche Fitness und mentale Konditionierung wird optimiert

Mit dieser körperlichen und mentalen Aufbauarbeit stellen sich Erfolgserlebnisse ein und das Selbstvertrauen wird vertieft, die mentale Stärke für den Wettkampf entwickelt sich. Nur mit mentaler Stärke ist der Sportler imstande, beim Wettkampf im Vertrauen in seine Fähigkeiten ans Limit zu gehen. Mentale Stärke ist trainierbar.

Es ist wichtig ein Ziel zu haben und siegen zu wollen, aber im Rennen kann nichts erzwungen werden, die „Brechstange“ macht mehr kaputt, als sie möglich macht. Es ist kontraproduktiv sich selbst am Start unter Druck zu setzen. Die Folge ist ein „Ergebnisdenken“ mit Versagensangst und führt zu „Stressbremsen“ im Bewegungsablauf. Erfolgversprechender ist es, sich auf die Herausforderungen des Laufs zu fokussieren, sich selbst positiv zu regulieren und selbstbewusst ans Limit zu gehen.

Wer diese mentalen Fähigkeiten beherrscht, der beherrscht auch den Bewerb.

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