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Monat: November 2016

Selbstbestimmtheit versus Zielorientiertheit

 

Manuel Feller(24) ist eine der großen Hoffnungen des ÖSV in den technischen Bewerben. Das ist verständlich, wenn man die Erfolge auf seinem Karriereweg bis in den Weltcup betrachtet. Er wäre bereit für die Spitze, aber jetzt werfen ihn entzündliche Folgen des Bandscheibenvorfalls zurück und sein Saisonstart 2016 ist gefährdet. Aber er ist Optimist und glaubt daran, dass alles passen wird.

Das ist gut so. Nicht gut so ist aber, dass er sich zu seiner technischen und körperlichen Aufbauarbeit jeglicher mentalen Konditionierung verschließen will. In einem Interview in der TT vom 8.10.2016 hat er gemeint, dass er sich keinen Mentalcoach nehmen wird: (…)„ Ich lasse mir nicht gerne von jemandem sagen, was ich zu denken habe“.

Das ist eine berechtigte Aussage für eine gesunde Selbstbestimmtheit, aber manchmal nicht dafür geeignet, den gesetzten Zielen näher zu kommen.

Warum das?

Der Sportpsychologe/Mentalcoach schreibt nicht vor, was der Wettkämpfer zu denken hat, er setzt vielmehr Impulse für alternative Denk- und Verhaltensweisen und freien Zugang zu seinen Ressourcen. Bewegungstalent für den gewählten Sport, sowie Ehrgeiz und Trainingsfleiß zu haben ist das eine, diese Eigenschaften und Fähigkeiten aber zu 100% im Wettkampf umsetzen zu können, ist das andere.

Viel zu leicht passiert es, dass der ehrgeizige Sportler auf dem Weg zur Spitze so viel Ergebnisdruck aufbaut, dass er „gegen sich selbst“ agiert. „Das gegen sich selbst“ agieren ist dann akut, wenn er zu sehr an

  • das Ergebnis
  • die eigenen Erwartungen
  • die Trainererwartungen
  • das Umfeld

denkt, anstatt sich auf das zu fokussieren, auf was es im Rennen ankommt:

  • Regulierung der Gefühle am Wettkampftag durch ein positives Selbstbild
  • Stabiles Visualisieren der Linie und Schlüsselstellen
  • Im Augenblick des Start bei sich sein, nicht an vorher und nicht an nachher denken
  • Mit Lust und Freude die Herausforderung annehmen

Der Mentalcoach erarbeitet mit dem Sportler jene individuellen „Werkzeuge“, mit denen er seine optimale Selbstregulierung als wichtige Voraussetzung für den Erfolg  selbst in der Hand hat. So konditioniert ist er dann imstande, seine Fähigkeiten im Rennen voll abrufen zu können und störende Gedanken zu unterdrücken. Er ist dann selbstbestimmt, aber im Wortsinn zielorientiert und erfolgreich unterwegs. Seine Leistungen entsprechen seinem Potential.

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Bewältigungsglaube

Am 8.10.2016 habe ich im Blog „Selbstbestimmtheit versus Zielorientiertheit“ über Manuel Feller geschrieben. Es war damals am 23.10. beim Eröffnungsrennen in Sölden keine leichte Situation für ihn. Er hatte schon vorher mit massiven Rückenproblemen zu kämpfen gehabt, konnte nur wenig trainieren und das anspruchsvolle Rennen über den Gletschersteilhang am Rettenbachferner kam eindeutig zu früh. Er hat es trotzdem mutig versucht, musste aber seiner schlechten Vorbereitung Tribut zollen und konnte sich nicht für den zweiten Lauf qualifizieren.

Drei Wochen später stand er beim Slalom in Levi wieder am Start und belegte den 5. Platz als Drittbester Österreicher und meldete sich mit dieser starken Leistung mitten in der Weltspitze wieder zurück. Besonders der zweiten Lauf  war optimal.

Warum ist dieses Ergebnis besonders erwähnenswert?

Manuel Feller hat trotz seines noch nicht ausgeheiltem Rückens und schlechtem Saisonstart nicht nur der „Welt“ gezeigt, dass er es noch kann, sondern er hat vor allem den Glauben an sich selbst und an seine Fähigkeiten vertieft. Dieser Bewältigungsglaube und das damit einhergehende Selbstvertrauen sind der Stoff, aus dem Sieger gebaut sind.

Bewältigungsglaube kann „angeboren“ sein, durch technisches Training erarbeitet werden, oder wird durch mentale Konditionierung entwickelt.

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